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Image by Art Lasovsky

Laufe zum Vater

Letztens schaute ich mit meinem Mann den Marvel Studios Film „Black Widow“. Die Geschichte ist recht düster, hat mich aber zum Nachdenken gebracht. Ein Mann bildet in einem versteckten „Roten Raum“ seit Generationen kleine Mädchen zu Soldatinnen aus, die auf der ganzen Welt als Spione, Killer und Hacker eingesetzt werden können. Sie werden ihren Eltern im Kindesalter abgekauft, oder auf der Straße aufgelesen und zu seinen Zwecken ausgenutzt. Regelrechte Kampfmaschinen sorgen auf der ganzen Welt dafür, dass Regime gestürzt, Kriege entfacht oder beendet werden, Menschen getötet werden, die nicht mehr von Nutzen sind. Der Mann im Roten Raum schützt sich vor seinen Killermaschinen, indem er ihnen eine Pheromon-Sperre einpflanzt, die über den Riechnerv funktioniert. Sie greifen ihren „Vater“ nicht an, egal wieviel schreckliches er ihnen zugemutet hat, weil sie darauf konditioniert wurden, dass er es dennoch gut mit ihnen meint.


Bei Kindern ist es oft genauso, sie fühlen sich mit dem wohl, was sie kennen. Ist es noch so schrecklich, oft ist das die Normalität vieler Kinder auf der ganzen Welt. Mutter- oder Vaterlos. Zurückgelassen, allein, missbraucht, hungrig, ohne Identität. Wir können uns kaum vorstellen, wie die meisten Kinder dieser Erde leben. Von Kinderhandel, sexuellem Missbrauch etc. möchte ich gar nicht erst anfangen zu erzählen.


Ich bin unglaublich behütet aufgewachsen. Ich hatte und habe einen liebenden Vater, der uns umsorgt hat und für meine Mutter ein toller Ehemann ist. Ich weiß nicht, wie es ist, vaterlos zu sein, erlebe aber in meiner Umgebung immer wieder, dass Väter gehen, verschwinden, Kinder und Frau zurücklassen. Ich erlebe Männer, die nicht erwachsenen werden wollen (das gilt auch für viele Frauen), die den nächsten Kick suchen, anstatt Verantwortung zu übernehmen. Die nicht mehr erziehen, sondern zuschauen, die – aus Angst, so zu werden wie ihre Väter – gar nicht erst in die Rolle hineinwachsen. Viele Väter sind distanziert, wissen nicht, wie sie sich ihren Kindern nähern sollen, meistens, weil sie selbst nicht von ihrem Vater so geliebt wurden, wie es nötig gewesen wäre.


Väter sind so unglaublich wichtig. Nicht umsonst beschreibt Gott sich selbst als den himmlischen Vater, der uns umsorgt, uns kennt und liebt. Väter sollten im Idealfall die Familie zusammenhalten, schützen, ihren Kindern Wert und Geborgenheit vermitteln. Allzu oft ist das nicht der Fall. Ich glaube sogar, dass der Teufel hier an einer ganz empfindlichen Stelle ansetzt.


Schon auf den ersten Seiten der Bibel lesen wir, wie wichtig es ist, dass wir unsere Identität in unserem Vater – unserem Schöpfer – finden. Hätte Eva gewusst, wer sie in den Augen Gottes wirklich ist – denkt ihr, sie hätte sich auf das Spiel des Teufels eingelassen? Sie hat Gott in Zweifel gezogen, weil sie verunsichert wurde. „Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was Gut und Böse ist!“ (1. Mose 3,4-5). Sie glaubte nicht, dass er es wirklich gut mit ihr meinte. Sie dachte, Gott würde ihr etwas vorenthalten. Sie sah sich nicht als seine Tochter. Und sie hatte noch keinen Namen (der Name Eva wurde ihr erst nach dem Sündenfall gegeben). Vielleicht dachte sie: Da muss es mehr geben. Ich bin es ihm nicht wert, dass ich alles Gute von ihm bekomme. Ich habe keinen Namen. Vielleicht sollte ich selbst versuchen, mir Wert zu verschaffen. Der Teufel hat ihre Unsicherheit gegen sie verwendet – und das macht er bis heute. Wenn wir an der falschen Stelle suchen, dann hat er sein Ziel erreicht. Wir dürfen nicht einen Augenblick glauben, dass der Feind es gut mit uns meint, auch wenn er – wie die Bibel sagt – wie ein Engel des Lichts auftreten kann (2. Korinther 11,14).

Wir alle wollen WERTvoll sein.

Wir möchten uns wertgeschätzt und gesehen fühlen. Wir wollen beim Namen genannt werden. Gesehen werden als „[setze deinen Namen ein]“, nicht nur als Tochter/Sohn, oder Frau/Mann von… Bekommen wir unseren Wert im Kindesalter nicht von unseren Eltern in einer sicheren Zone vermittelt, suchen wir ihn anderswo. In Vergnügen, vielleicht in Beziehungen, wenn es ganz arg schiefläuft: in Süchten, gefährlichen Bindungen etc. Unsere Väter geben uns Wert, unsere Mütter geben uns Sicherheit – so las ich es einmal irgendwo. Mütter erschaffen ein Heim, sie geben uns die Sicherheit schon im Mutterleib. Sie kleiden uns in Geborgenheit. Väter hingegen vermitteln uns Wert und Selbstsicherheit. Wenn mein Vater an mich glaubt: Dann schaffe ich das. Wenn mein Vater stolz auf mich ist: Dann ist mein SELBSTWert gestärkt. Vielleicht kennt ihr solche Gedanken.


Kein Vater ist perfekt. Keine Mutter ist das. Wir alle machen Fehler. Ich habe bei meinen Kindern schon so viele Fehler gemacht, dass ich oft bete: „Oh Herr, lass sie bitte später nicht total verkorkst sein.“ Gott weiß, dass wir das Ziel verfehlen. So sind wir Menschen. Wir meinen es gut, aber machen es oft schlecht. Kinder merken, wenn wir aufrichtig um Verzeihung bitten und ehrlich mit ihnen sind und ich bin mir sicher, dass Gott einiges ausbügeln kann. Er möchte, dass wir unsere Kinder lieben und sie erziehen, so wie es einem Willen entspricht. Dafür müssen wir vor allem eins sein: Anwesend. Und zwar wirklich anwesend. Nicht halb und nicht ständig unter Strom. Kinder sind nichts, was man zwischen Arbeit und zu Bett gehen noch „dazwischenquetscht“. Kinder sind eine Lebensaufgabe. Und das mein ich genauso: Lebens-Aufgabe. Ich muss dafür etwas aufgeben. Und das ist unangenehm. Das tut weh. Das steht dem Ego im Weg, den beruflichen Plänen, manchmal sogar der geistlichen Berufung. Und damit meine ich nicht, dass du nicht mehr Frau, Mann sein darfst. Dass es nicht wichtig ist, Zeiten allein zu haben und als Paar und die von Gott geschenkten Ziele zu verfolgen, die außerhalb der Bedürfnisse der Kinder liegen. Aber Kinder erfordern Zeit und Liebe und jede Menge Pflege. Wenn wir sie nur als Hindernis, als Störenfriede wahrnehmen – dann werden sie genau das sein. Sie werden zu dem, was wir in sie hineinlegen. So viel Macht haben wir als Eltern. Unsere Worte haben unglaubliche Macht. Wie wir über sie sprechen und mit ihnen sprechen, das prägt ihre Identität.


Und damit wären wir wieder beim Anfang. Wer gibt uns Identität? Weltlich gesehen sind das unsere Eltern und Freunde, die Menschen, mit denen wir am meisten zu tun haben. Die uns prägen und lieben, oder eben misshandeln. Aber selbst wenn das alles total schiefläuft – dann ist das nicht unser ganzes Sein. Es gibt einen, der über allem steht. Unser Vater im Himmel weiß genau, was er in jedes Kind dieser Welt hineingelegt hat. Er kennt jedes in- und auswendig. In Jeremia 1,5a lesen wir: „Noch bevor ich dich im Mutterleib formte, hatte ich dich erwählt.“ Und Psalm 139 spricht in ganz wundersamer Weise davon, wie Gott uns erschaffen hat und uns kennt und unbeschreiblich liebt.

ER ist der Identitätsstifter.

Ob Mama oder Papa da waren, oder was auch immer deine Kindheit geprägt hat – ER hat dich nie verlassen. Er kennt dich. Er liebt dich. Er hat einen Plan mit dir. Er weiß, was du brauchst, was dir fehlt, was dir hilft, was dir guttut. Dein Wert bemisst sich nicht dadurch, wie du von anderen Menschen behandelt wirst oder wurdest. Dein Wert liegt in dem begründet, der dich gemacht hat und sein Wert ist EWIGKEIT, SCHÖNHEIT, WÜRDE, ANMUT, GERECHTIGKEIT, LIEBE, TREUE, LEIDENSCHAFT, FREUDE – alles Gute, und noch viel mehr davon.


Dieser Gott hat Freude an dir. Ja, selbst in deiner Schwachheit. Er liebt dich leidenschaftlich. Er sehnt sich danach, dass du nach Hause kommst und dich auf seinen Schoß kuschelst. Dein Vater im Himmel setzt alles in Bewegung – buchstäblich den Himmel – weil er seinen Sohn gesandt hat, um dich freizukaufen, damit DU zu IHM kommen kannst. Seine Liebe für dich ist unbegreiflich. Und du wirst erst wirklich wissen, wie schön er wirklich ist, wenn du verstehst, wie schön er dich findet.


Der Film hat mir noch einmal sehr drastisch vor Augen geführt, dass wir unseren Wert nicht in unserer Herkunft suchen können. Der Wert dieser Frauen lag nicht darin begründet, was dieser Mann mit ihnen gemacht hat. Unter all dem Schmerz und all den schlimmen Erfahrungen waren sie immer noch die Mädchen, die eines gebraucht hätten: eine richtige Mutter und einen richtigen Vater. Jemanden, der ihnen den Wert zuspricht, der schon längst in ihnen verborgen lag.


Vielleicht denken wir daran, wenn wir das nächste Mal einen Menschen sehen, der uns auffällig erscheint. Wieviel Wert hat man in seinem oder ihrem Leben vielleicht schon kaputtgetrampelt, wieviel Verunsicherung ist da. Wir dürfen alle heilen. In IHM allein ist das Heil zu finden. Jesus starb nicht nur für deine Fehler, sondern auch für die der anderen. Und er starb auch für den Schmerz, die Wunden, die Wertminderung, die dir zuteilwurde. Suche deine Identität in dem einen, der weiß: Wer du bist, woher du kommst und wohin du gehst. Erst dann kommst du in deine Bestimmung.


Laufe zum Vater.






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